"Kalif Storch" im Kindergarten
Mütter spielen Theater für ihre Kinder – das ist jahrelange Tradition am Faschingsdienstag im Kindergarten der DST. Das diesjährige Thema war Orient, und die Wahl der Kindergartenmütter fiel auf „Kalif Storch“. Schnell wurden die Rollen verteilt – und später noch einmal umbesetzt, das Märchen in ein Theaterstück umgeschrieben – und später noch abgeändert. Einige Mütter nähten sich sofort Kostüme, andere gingen in der Medina oder im Kleiderschrank auf die Suche. Dann kamen die Proben, bei denen öfters „Gebieter“ mit „Geliebter“ verwechselt wurde und eine Diskussion entbrannte, ob man den Kindergartenkindern die altmodischen Dialoge des Hauff’schen Originals von 1827 zumuten könnte. Wir entschieden uns für Werktreue und Sätze wie dieser spukten fortan nicht nur Özlem (in der Rolle des Großwesirs) durch den Kopf: "Danke untertänigst, aber wenn ich es wagen darf, möchte ich behaupten, Eure Hoheit sehen als Storch beinahe noch hübscher aus denn als Kalif.“
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Der Inhalt: Kalif Chasid von Bagdad kauft von einem Krämer ein Zauberpulver, das es ihm ermöglicht, sich in jedes Tier zu verwandeln. Zusammen mit seinem Großwesir schnupft er davon, und sie werden Störche. Sie vergessen allerdings das magische Wort, das sie in Menschen zurückverwandeln kann und müssen erkennen, dass dahinter eine List des Zauberers Kaschnur steckt, der in der Abwesenheit des Kalifen seinen eigenen Sohn auf Bagdads Thron gesetzt hat. Mit Hilfe einer unfreiwillig verwandelten Eule gelingt es ihnen jedoch, das Zauberwort herauszufinden. Kaschnur wird gefangen genommen, der Kalif erhält den Thron zurück, die Eule entpuppt sich als schöne Prinzessin, und mit der Hochzeit von Kalif und Prinzessin wird das happy end besiegelt.
Am 16. Februar durften die Mütter auf die „Bühne“, und als der Vorhang aufgezogen wurde, starrten die Kindergartenkinder mit offenen Mündern und fasziniert aufgerissenen Augen auf die Szenerie, die sich ihnen darbot. Die Schauspielerinnen waren in Hochform, und die Kinder verfolgten gebannt jede Bewegung. Zu schnell war alles wieder vorbei, aber nach der anschließenden traditionellen Verköstigung der Mütter mit Kaffee und Kuchen durch den Kindergarten folgte noch eine Darbietung für die Grundschüler. Diese waren nicht schon per se von dem Ereignis beeindruckt (um nicht zu sagen: visuell erschlagen) wie die Kindergartenkinder, konnten aber dafür die Dialoge besser verfolgen und so manchen Wortwitz verstehen. Auch sie hörten und sahen gespannt zu, und nach dem Schlussapplaus verspürten diejenigen Theatermütter, deren Kinder eingeschult werden, ein leises Bedauern, nicht mehr dabei sein zu dürfen. Alle anderen freuen sich schon auf nächstes Jahr, wenn die „Kids“ wieder mit einer neuen Inszenierung überrascht werden.
Bianca Savcenco
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